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Mai
Ybbsitz, Haselgraben Nr. 8Haus Ekamp


Haus Ekampf vor der Restaurierung im Jahre 2004.

Arbeit an der Neudeckung mit Schilf, das an Stelle des kaum verfügbaren und weniger haltbaren Strohs verwendet wurde


Grundriss und Ansicht


während der Deckungsarbeiten

Stalltrakt innen, Vorzustand: Die kaum fundamentierten Wände waren stark durchnässt und befanden sich in Folge von Steinausbrüchen in einem baufälligen Zustand. Die in etwa 1,70 Metern Höhe verlaufende Tramdecke war samt Säulen und Unterzug in ihrer Standfestigkeit stark beeinträchtigt. Fehlende Einzelfundamente und unterdimensionierte Hölzer trugen ihres zum Schadensbild bei.

Der Stalltrakt wurde mit den Steinen des alten Traktes wieder errichtet.

Haus Ekamp nach der Neudeckung
Der Bauernhof Haus Ekamp ist Teil der Rotte Haselgraben, die am Bergrücken nordöstlich von Ybbsitz liegt.
1350 erstmals als Neuchorn, 1630 als Eckhaimb genannt, ist dieser Einzelhof als der letzte erhaltene historische Vertreter eines Doppel-T-Hofes anzusehen. Dieser entspricht einem regionsspezifischen Typus, der nur im Bergland am Oberlauf der Ybbs Verbreitung fand und sich in den dortigen Rodungsgebieten des 12. - 14. Jahrhunderts aus dem ursprünglichen Haufenhof entwickelt hat. Ähnlich wie beim Paarhof stehen Wohntrakt und Scheune einander parallel gegenüber und werden durch einen gemauerten Stalltrakt verbunden.
Wie am Rüstbaum in der Stube vermerkt ist, wurde das Wohnhaus und wahrscheinlich der gesamte Hof in der gegenwärtigen Form 1645 erbaut und seither nicht mehr wesentlich verändert. Der kalkgetünchte, eingeschossige Wohntrakt mit Satteldach ist noch überwiegend in der ursprünglichen Holzblockbauweise mit kleinformatigen Fenstern erhalten. Die letzte Neueindeckung des Wohntraktes mit Stroh fand 1978/79 statt. Trotz der um die Instandhaltung bemühten Eigentümer konnte die Dichtheit des Daches aber nicht mehr gewährleistet werden.
Die Baufälligkeit des Objektes ließ nur noch die Verwendung des Wohntraktes zu. Seit Ende des 20. Jahrhunderts dienten Stall und Scheune lediglich zur Holzlagerung. Die Dächer waren notdürftig geflickt und mit den unterschiedlichsten Deckungsmaterialien versehen: Neben der Strohdeckung am Wohntrakt ließen auch die Betonziegel von Stall und Scheune sowie die Bretterdeckung der Hocheinfahrt zu wünschen übrig. Letzte Bemühungen zur Sicherung vor Niederschlag wurden mittels Verlegung von Blechbahnen vorgenommen.
Im Rahmen der Vorarbeiten zur Generalsanierung der Anlage konnten detaillierte Informationen im Österreichischen Freilichtmuseum in Stübing bei Graz eingeholt werden. Dem fachlichen Rat folgend, entschied man sich bei der Neudeckung, an Stelle von Stroh Schilf zu verwenden. Dieses Naturprodukt ist rasch erhältlich, billiger und deutlich haltbarer. In der Erscheinung ist der Unterschied zu einer Strohdeckung als nur geringfügig anzusehen.
Wegen extremer Baufälligkeit musste der Stalltrakt im Jahr 2004, vor Beginn der Neudeckung abgetragen werden. In diesem Bereich war rezentes Dachdeckungsmaterial bereits teilweise durch notdürftige Blechbahnen ersetzt worden, die Dachkonstruktion war wegen Durchfeuchtung einsturzgefährdet und das Erdreich wegen der Jahrhunderte langen Tierhaltung stark kontaminiert. Das aufbewahrte Bruchsteinmaterial konnte bei der Wiedererrichtung neuerlich verwendet werden. Eine künftige Nutzung des Stalltraktes etwa als Buschenschank, ist nunmehr gewährleistet. Im Rahmen einer zweiten Restaurieretappe 2005 wurden Wiederherstellungs- und Instandhaltungsarbeiten am Wohntrakt durchgeführt, wobei Teile der geschädigten Holzblockkonstruktion zu ersetzen waren. Als dritte und letzte Etappe ist die Sanierung der baufälligen Scheune vorgesehen. (G. Ž.)
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