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Dezember
Wiederauferstehung eines
Renaissance-Grabes OBERÖSTERREICH
Die Stadtpfarrkirche von Eferding in Oberösterreich zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Kirchen des Landes. Sie wurde im 16. Jh. ein Zentrum der protestantisch dominierten Renaissancekunst, da die Grafen von Schaunberg und andere Mitglieder des oberösterreichischen Adels dort prunkvolle steinerne Grablegen errichten ließen
Die Stadtpfarrkirche von Eferding in Oberösterreich zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Kirchen des Landes. Sie wurde im 16. Jh. ein Zentrum der protestantisch dominierten Renaissancekunst, da die Grafen von Schaunberg und andere Mitglieder des oberösterreichischen Adels dort prunkvolle steinerne Grablegen errichten ließen. Mit der Rekatholisierung Oberösterreichs im Laufe des 17. Jhs. wurden diese Grablegen entfernt und als historische Dokumente über die Wände des Kirchenraumes verteilt. Auf diese Weise ist auch das bedeutendste Grabmal, das Hochgrab des 1559 verstorbenen Wolfgang von Schaunberg in seine Einzelteile zerlegt und am Außen- und Innenbau der Kirche verstreut worden. Nach ihm ist das Geschlecht der Schaunberger ausgestorben und wurde von der später gefürsteten Familie Starhemberg beerbt.
Im Zuge der Bestandsaufnahme und Konservierung der historischen Grabsteine in der Eferdinger Pfarrkirche stellte sich nun vor einigen Jahren heraus, daß alle künstlerischen Teile des Hochgrabes von Wolfgang und Anna von Schaunbergs erhalten geblieben sind. Sie waren jedoch akut gefährdet, so daß ihre Entfernung von der Mauer und ihre Konservierung notwendig wurde. Diese Arbeiten werden im Einvernehmen von der Pfarre Eferding vom Bundesdenkmalamt mit freiberuflichen Steinrestauratoren in den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes in Wien durchgeführt.
Die Steinskulpturen umfassen sechs Wappenlöwen, sechs Hochreliefs des Jüngsten Gerichtes, die Auferweckung des Lazarus, die Vision des Propheten Ezechiels und den Durchzugs durch das Rote Meer. Die steinerne Deckplatte zeigt Ornamente und das Doppelwappen von Anna und Wolfgang von Schaunberg. Diese Steinteile wurden in den letzten fünf Jahren ausgebaut und in den Restaurierwerkstätten untersucht und konserviert. Dabei zeigten sich vielfältige Schäden je nach Situation der Umweltbelastung. Die am Aussenbau eingemauerten Löwen aus Salzburger Rotmarmor litten durch direkte Bewitterung und mußten gefestigt, an Bruchstellen neu verklebt und mit Kohlefaserdübeln armiert werden. Die fein ziselierten Reliefs der Tumbawände aus Solnhofer Schieferstein haben sich durch langjährige Feuchtigkeitsinfiltration von der Innenmauer und deren Mauersalze teilweise plattig aufgelöst und das bildhauerische Feinrelief einiger Figuren verloren. Hier mußten lockere Teile gesichert und die vorhandenen Salze mit Zellstoffkompressen reduziert werden. Alle diese Arbeitsschritte erfolgten unter ständiger Analysenkontrolle des BDA-Labors.
Nach abgeschlossener Konservierung der einzelnen Steinteile wurde ihr Zusammenbau als Hochgrab im Steinatelier des Bundesdenkmalamtes versucht. Das Ergebnis wurde mit Pfarre und Pfarrkirchenrat begutachtet und vor Wiederaufstellung ein provisorisches Holzmodell in der rechten südlichen Seitenkapelle der Kirche errichtet. Nach Akzeptanz dieser Lösung konnte ein Tragegerüst aus Stahlelementen angefertigt und die Renaissancereliefs darauf montiert werden. Die Abbildungen zeigen das Holzmodell in der Kirche und die Probeaufstellung mit dem Stahlgerüst und einem der ursprünglich die Grabanlage tragenden Marmorlöwen.
Die Rückführung und definitive Aufstellung des Schaunberggrabes in der Eferdinger Kirche wird im Frühjahr 2000 abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten betragen 600.000,- Schilling. Damit konnte eines der bedeutendsten Beispiele der Grabskulptur aus der Spätrenaissance in Österreich in einer der ursprünglichen Form angenäherten Erscheinung wieder gewonnen werden und die kunsthistorische Erforschung seiner Vorbilder und der ausführenden Künstler im Zusammenhang mit der süddeutschen Renaissance möglich gemacht werden.
Letztes Update 01.01.2000 © Copyright 2000 BUNDESDENKMALAMT
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