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Oktober
Konzerthaus
Wien 3., Lothringerstraße 20
Der Planungsauftrag für den Bau des Wiener Konzerthauses auf Gründen des Stadterweiterungsfonds erging im Juni 1910 an die Architekten Ludwig Baumann, Ferdinand Fellner und Hermann Hellmer. Die Eröffnung fand am 19. Oktober 1913 statt.
Das Gebäude ist ein Spätwerk jenes ebenso berühmten wie routinierten Architektenduos Fellner und Hellmer, das mit seinen Theaterbauten inner- und außerhalb der österreichisch-ungarischen Monarchie europäische Maßstäbe gesetzt und die Entwicklung der Architektur von Veranstaltungsbauten für Theater und Konzert nachhaltig geprägt hatte. Von Hamburg bis Varasdin, von Odessa bis Zürich, in Berlin, Prag, Budapest und Wien stehen diese Theater- und Konzertgebäude noch heute in Betrieb.
Nach einem zweistufigen Planungswettbewerb wurden die seit langem anstehenden Adaptierungs- und Restaurierungsarbeiten im Inneren des Konzerthauses 1998 in Angriff genommen. Das umfangreiche und kostspielige Vorhaben umfaßte die Errichtung eines zusätzlichen Saales im Kellergeschoß, die komplette Erneuerung der technischen Infrastruktur, schallschutz- und brandschutztechnische Verbesserungen, die Schaffung neuer für einen modernen Konzertbetrieb unerläßlicher Bedingungen sowie strukturelle Bereinigungen und Verbesserungen im Sinne der ursprünglichen Konzeption und die Restaurierung der spätgründerzeitlichen Ausstattung.
Da schriftliche und bildliche Quellen nur in erstaunlich geringem Maß vorhanden waren, mußten den Arbeiten detaillierte Untersuchungen zu Grunde gelegt werden, die zum Teil überraschende Ergebnisse brachten. Das Konzerthaus hatte seit seiner Entstehung viele Veränderungen erfahren, sowohl auf Grund altersbedingter Schäden als auch durch Geschmackswandel. Vor allem die teils eintönige teils auf "Modernisierungsphasen" zurückgehende farbliche Gestaltung der drei historischen Säle hatte sich vom ursprünglichen Konzept mit einer relativ kräftigen, klaren Farbgebung weitgehend entfernt. Untersuchungen am Bauwerk selbst, aber auch Nachforschungen in diversen Archiven und Museen ermöglichten es, in den Sälen und weitgehend auch den Foyers das originale Erscheinungsbild wieder zu gewinnen.
Die Restauriermaßnahmen beinhalteten die Instandsetzung und - wo notwendig - Korrektur der Stuckausstattung mit Wiederherstellung der üppigen Metallvergoldung und fein differenzierten, von der Grundfarbe weiß ausgehenden Farbigkeit. Der Weiß-Gold-Kanon der Wandgliederungen und Decken stand in starkem Kontrast zu den bunten Farben der Wandbespannungen: Rot im Großen Saal, Blau im Mozartsaal und Gelb im Schubertsaal. Ein spezielles Problem bildete das Mittelfeld im Bühnenprospekt des Mozartsaals, wo ursprünglich eine - schon vor langer Zeit entfernte - Orgel stand, flankiert von zwei in blauen und grauen Tönen gestalteten Glasfenstern. Einem früheren Entwurf folgend wurde hier ein analoges Fenster eingebaut. Nach detaillierten Vorstudien konnten in allen drei Sälen ohne Veränderungen des historischen Erscheinungsbildes auch noch Verbesserungen für die Akustik und Bühnentechnik eingebaut werden, sodaß das Konzerthaus weltweit zu einem der besten Veranstaltungsorte für anspruchsvolle musikalische Aufführungen zählt. Ergänzend ist zu vermerken, daß im Eingangsfoyer die nicht mehr vorhandenen Beleuchtungskörper an den Pfeilern nach aufgefundenen Detailplänen wiederhergestellt werden konnten. Die nach den Restauriermaßnahmen erst wieder erlebbare Qualität der Architektur läßt heute das Wiener Konzerthaus als eines jener synkretistischen Bauwerke der ausgehenden Monarchie erkennen, in denen Elemente des späten Historismus, des Sezessionismus und des Jugendstils verschmelzen und zu einer reifen Blüte gelangt sind.
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