Themen
Dezember
Neu entdeckte Meistergemälde in Wiener Barockkirchen

Peter Strudel:
Hl. Antonius, Detail, um 1695, Pfarrkirche Kaiserebersdorf

Peter Strudel:
Hl. Franz Xaver,
um 1695, Pfarrkirche Kaiserebersdorf

Peter Strudel:
Hl. Sebastian,
um 1695, Pfarrkirche Kaiserebersdorf

Martino Altomonte: Hl. Franz von Sales übergibt die Ordensregeln, um 1720, Salesianerinnenkirche

Paul Troger: Christus als Gärtner, um 1745, Paulanerkirche
Qualifizierte Restaurierungen in der Denkmalpflege sind stets mit genauen Untersuchungen der Bau- und Kunstwerke verbunden. Dabei gelingen immer wieder Funde zu den bekannten bau- und kunstgeschichtlichen Daten und Neuentdeckungen bisher unbekannter Zusammenhänge oder anonymer Kunstwerke.
Für die umfangreichen Ausstattungen der Wiener Kirchen mit Barockgemälden sind nur zu einem Teil deren Autoren durch Signaturen oder frühere Forschungen bekannt. Bei vielen anderen läßt sich infolge von Altersschäden, starker Verschmutzung oder früheren Übermalungen ihr Aussehen kaum verläßlich beurteilen.
Im Laufe des Jahres 2002 konnten in den Restaurierwerkstätten des BDA in Wien im Zuge der Konservierung und Reinigung von sechs Barockgemälden aus Wiener Kirchen nicht nur ihre Kompositionen und Farben wieder sichtbar gemacht, sondern sie konnten auch als Werke von drei namhaften Wiener Malern des Hochbarock identifiziert werden. Diese Gemälde können bereits wieder an Ort und Stelle in dem nach Restaurierung gewonnenen Zustand als Teil der Raumausstattung erlebt werden.
Peter Strudel:
Hl. Antonius, Detail, um 1695, Pfarrkirche Kaiserebersdorf Peter Strudel:
Hl. Franz Xaver,
um 1695, Pfarrkirche Kaiserebersdorf
Peter Strudel:
Hl. Sebastian,
um 1695, Pfarrkirche Kaiserebersdorf
In der Pfarrkirche von Kaiserebersdorf in Wien XI. hängen drei gleich große Gemälde mit Darstellungen der Heiligen Sebastian, Antonius und Franz Xaver von Peter Strudel. Dieser Maler hat 1692 die erste Kunstakademie in Wien gegründet und als kaiserlicher Hofmaler bis zu seinem Tode 1714 umfangreiche Gemäldezyklen für die Wiener Hofburg, Schloß Favorita (heute Theresianum), Schloß Schönbrunn und zahlreiche Altargemälde geschaffen. Die drei Gemälde in Kaiserebersdorf sind zwar nicht signiert, sie stimmen jedoch in ihrer Komposition und Malweise mit den für die Jahre 1690 - 1695 bekannten Werken überein. Dazu kommt, daß der Maler in Eingaben von 1700 auf seine Werke in der Kapelle von Schloß Kaiserebersdorf hingewiesen hat. Diese Schlosskapelle wurde zwar 1688 nach der Türkenbelagerung wieder hergestellt, das Schloß hat man aber seit 1745 als Armenasyl genutzt. Daher liegt nahe, daß die Gemälde Strudels damals in die 1746 neu geweihte nahe Pfarrkirche Kaiserebersdorf übertragen worden sind.
Martino Altomonte: Hl. Franz von Sales übergibt die Ordensregeln, um 1720, Salesianerinnenkirche
Die von der Witwe Kaiser Joseph II., Maria Amalie gestiftete Salesianerinnenkirche am Rennweg, Wien III, erhielt zwischen 1720 bis 1730 ihre barocke Innenausstattung. Darunter befinden sich vier rund 4,5 Meter hohe Altargemälde, die seit drei Jahren der Reihe nach restauriert werden. Das rechte vordere Seitenaltarbild zeigt den Ordensstifter Franz von Sales bei der Übergabe der Ordensregeln an die ersten Schwestern. Es war, wie alle anderen Gemälde, stark verschmutzt und hatte durch gebräunte spätere Firnisse seine Farbwirkung weitgehend verloren. Im Zuge der Reinigung kam in einer Säulenhalle mit einem pupurrotem Vorhang festlich inszenierte Szene mit dem blau gekleideten Ordensstifter in ihrer strahlenden Farbigkeit und der für Martino Altomonte charakteristischen Malweise wieder zum Vorschein. Dieser deutschstämmige Italiener kam nach 1700 aus Polen ach Wien und arbeitete zunächst mit Peter Strudel zusammen. Nach dessen Tod wurde er zu einem der fruchtbarsten Ausstatter der Kirchen und Schlösser von Wien bis Salzburg. Der kaiserliche Auftrag für das zentrale Historienbild der Ordensgründung beweist die Wertschätzung von Altomontes Malerei auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft.
Paul Troger: Christus als Gärtner, um 1745, Paulanerkirche
Die Paulanerkirche auf der Wiedner Hauptstraße in Wien IV., enthält eine der am wenigsten bekannten Barockausstattungen von Wiener Kirchen. Bei der Restaurierung der Seitenkapelle des Kreuzaltares wurden auch zwei über den Seitendurchgängen in die Wandausstattung eingebaute Ovalgemälde konserviert und gereinigt. Sie zeigen in bewegten Halbfigurenkompositionen die Frauen, denen ein Engel das leere Grab Christi zeigt, und Christus als Gärtner. Hier fand sich in der dunklen Bodenzone die Signatur von Paul Troger um 1745, wobei die letzte Ziffer nur undeutlich lesbar ist. Beide Szenen sind mit starken Hell-Dunkel-Effekten und beziehungsreichen Gesten in weicher fließender Modellierung der Formen gemalt und damit Werke aus Trogers Reifezeit in Wien, wo er 1751 Professor und später Rektor der Kunstakademie geworden ist. Beide Gemälde zeigen Maria Magdalena als Zeugin der Auferstehung Christi und vergegenwärtigen darin mit dem Kreuzigungsbild auf dem Hauptaltar die Auferstehungsliturgie der Karwoche: Vom Karfreitag zum Ostermorgen.
So trägt auch die Gemäldepflege Jahr für Jahr nicht nur zur Verschönerung der Kirchenausstattungen bei, sondern erweitert zugleich die Kenntnisse von einer der fruchtbarsten Kunstperioden Österreichs. Dazu kommen alle Beobachtungen und Analysen der originalen Materialien und Techniken von Malgeweben, Spannrahmen, Grundierungen, Farben und Bindemitteln als Bausteine für eine Geschichte der künstlerischen Techniken. Die für diese Restaurierungen nötigen Kosten von insgesamt € 48.345,- wurden zum größten Teil von BDA aus den Budgetmitteln finanziert - aber auch die Beteiligung privater Sponsoren ist dankend zu vermerken.
Letztes Update: 02.12.2002 © Copyright 2002 BUNDESDENKMALAMT
Druckversion

