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Mai
Tiroler Landesmuseum FerdinandeumMuseumstraße Nr. 15, Innsbruck, Tirol

Historische Ansichtskarte um 1900.

Fassadenausschnitt während der Neufärbelung in einem rötlich-beigen Farbton

Puttenfries

Kuppelraum

Freilegung der Stuckkapitelle und -ornamente

Gang im 2. Obergeschoß

Portraitbüste von Joseph Anton Koch (Antonio Spagnoli, 1882)
Der Gedanke zur Errichtung eines Museums in Tirol geht auf Erzherzog Johann zurück, der ein Nationalmuseum im Sinne der romantisch-patriotischen Sicht der 1. H. des 19. Jh. plante.
Die öffentlich Zugänglichmachung der eigenen Sammlungen sollte eng mit dem Bildungswesen verknüpft werden. Am 13. Mai 1823 konstituierte sich der Verein des Tiroler Nationalmuseums, der sich nach seinem Protektor, dem späteren Kaiser Ferdinand benannte und dessen Aufgabenstellung sich im Sinne Erzherzog Johanns definierte: "in Tirol eine Sammlung aller provinziellen Produkte, die zum Muster für die übrigen Erbstaaten Österreichs dienen sollte, zu errichten, wobei Kunstprodukte und eine geoplastische Karte einzubeziehen wären."
Das Gebäude des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum - 1842 bis 1845 von Anton Mutschlechner erbaut und 1884 bis 1886 nach Plänen von Natale Tommasi in die heutige Form gebracht - ist ein typisches Beispiel für den repräsentativen Baustil der 2. H. des 19. Jh. und einer der qualitätvollsten Museumsbauten außerhalb Wiens. Nach schweren Bombenschäden 1943/44 - v.a. im Bereich des Dachbodens - ist der Neorenaissancebau wieder instandgesetzt worden, wobei allerdings die westlichen Kuppelräume im zweiten Obergeschoß nicht mehr saniert, sondern aus Kostengründen nur mit einer Flachdecke versehen worden sind.
Mit der für drei Jahre veranschlagten Generalsanierung und der Erweiterung des Ferdinandeums sollte nicht nur Abhilfe gegen die beinahe unerträglichen Notsituation in allen Bereichen der Sammlungen und der Infrastruktur (Klimatisierung, Beleuchtung, Sicherheitsstandard) geschaffen, sondern vor allem die Orientierung auf ein auch in Zukunft funktionierendes Museum gelegt werden.
Im ersten Bauabschnitt im Frühjahr 2001 wurde nach einem Architektenwettbewerb der im Hof gelegene vor ca. zwanzig Jahren angebaute Trakt abgebrochen, die Hofdepots erweitert und die Werkstätten saniert. In einem Erweiterungsbau von Architekt Mag. Helmut Ramsauer (Kufstein) entstanden neue Schauräume und im zweiten Geschoß eine 'art-box' für Sonderausstellungen, eingebettet in den Rundgang durch die Schausammlung. Dazu kommen Lesesaal, Arbeitsräume und Speicherplätze für die Bibliothek. Café und Shop ergänzen das Besucherangebot.
Im Zuge der Instandsetzungsarbeiten im Altbau wurde festgestellt, daß oberhalb der nach dem Zweiten Weltkrieg eingezogenen Flachdecken die hohen Kuppelräume (mit Stuckdekoration, Gesimsgliederung und mittigem Glasaufsatz) vollständig erhalten sind. Durch das Entfernen der Zwischendecken und die Restaurierung dieser drei großen Kuppelräume sind ihre gewaltigen räumlichen Qualitäten wieder spürbar.
Das neue Nutzungskonzept erforderte in den Gangbereichen und vor allem im Verbindungsbereich zwischen Alt- und Neubau diverse bauliche Eingriffe, die jedoch nur untergeordnete Bausubstanz betrafen, wogegen alle wichtigen und qualitätvollen Bauteile des Altbaues erhalten blieben. Im zweiten Jahr der Generalsanierung wurde die Fassadenrestaurierung an der ehemaligen Nordfassade begonnen, die nunmehr ein Teil des Innenraums der mehrgeschossigen Halle ist. Nach längerer Diskussion entschloß man sich auch, das an mehreren Stellen undichte und brüchige Blechdach neu in Kupfer zu decken. Auf der Grundlage von Restaurierungsproben in den Gangbereichen und im Stiegenhaus wurden die durch Übermalungen stark verunklärten Stuckformen und Putzoberflächen freigelegt. Die nach dem Krieg nicht wiederhergestellte partielle Vergoldung der Kapitelle und Stuckornamente verleiht nunmehr den Gängen des 2. Obergeschosses ein äußerst repräsentatives, elegantes Erscheinungsbild.
Restauratorisches Hauptanliegen war - neben der Reinigung, Kittung und Festigung der Steinteile - die Färbelung der Fassaden auf der Grundlage der vor der letzten Restaurierung 1985 von den Restaurierwerkstätten des BDA durchgeführten Befundung: Bei den Steinteilen der Fassade im Bereich der Gesimse und Balkone handelt es sich um Trentiner Muschelkalk, der sich durch einen rötlich-beigen Farbton auszeichnet. Dieser Farbton ist auch maßgebend für die verputzten Architekturglieder. Rauhputzflächen sind in einem warmen Putzgrauton belassen. Die in Terrakotta gearbeiteten, bei einer Restaurierung Anfang des 20. Jh. bis auf geringste Farbspuren chemisch freigelegten Puttengruppen und Portraitbüsten der Frieszone über dem ersten Obergeschoß erhielten nun wieder ihren originalen steinfarbigen, d.h. rötlich-beigen Farbton.
Am 13. Mai 2003, dem 180. Geburtstag des Museumsvereins, öffnet das Stammhaus des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeums nach zweijähriger Schließzeit wieder.
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