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Johann W. Deininger

Architekt, Denkmalpfleger, Gewerbeschuldirektor - Lebenserinnerungen (NEARCHOS, Band 16)

Buch Kurzinfo

AutorIn: Harwick W. Arch

Titel: Johann W. Deininger

Untertitel: Architekt, Denkmalpfleger, Gewerbeschuldirektor - Lebenserinnerungen (NEARCHOS, Band 16)

Erscheinungsjahr: 2007

Seiten: 324

Preis: € 45

Die „Lebenserinnerungen“ J.W. Deiningers decken sich mit den baufreudigen, meist friedlichen letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.

Neue wirtschaftliche Ideen, Erzeugungs- und Verkehrstechniken gaben wohlhabendem Bürgertum, Adel, städtischen und kaiserlichen Auftraggebern die Kraft, Mittel für neue, repräsentative Profan- und Sakralbauten aufzuwenden. Macht und Ansehen sollten in dieser „Gründerzeit“ gezeigt werden. Was lag daher denBauschaffenden in ihrem bis dahin nicht gekannten erweiterten Aufgabenkreis näher, als auf Baustile zurückzugreifen, die einst bewundert wurden? Das steigende historische Interesse der Gebildeten förderte diesen oft hohlen „Historismus“. Zwischen den beiden Weltkriegen und auch danach hatte man für die Prachtentfaltung früherer Zeiten kein Verständnis. Man sah in der Stilnachahmung drei Schwächen: das Hindernis für eine weitere Stilentwicklung, das Fehlen einer Baugesinnung für breiten Wohnbedarf und den Mangel einer Baukultur auf dem Lande. Stilwirrwarr und dessen Architekten gingen im Spott der nachfolgenden Kritiker unter und die Bauhistorik vernachlässigte diese Zeit. Dass sie – belächelt oder gar verdammt – für Menschen mit hervorragenden Leistungen steht, soll beispielhaft mit dem Architekten Deininger in seiner Autobiografie und den Verzeichnissen dazu gezeigt werden. Architekt Deininger hat als künstlerisch begabter, wissenschaftlich gebildeter und besonders tatkräftig arbeitender Mensch die Kritik an der Architektur seiner Zeit geahnt. Bei aller Ehrfurcht vor den historischen Leistungen früherer Baukünstler und der Liebe zur präzisen handwerklichen Arbeit vermochte er doch die bloße Stilnachahmung bei eigenen Bauten zu überwinden. Bei der Ausstattung seiner Staatsgewerbeschule dachte er an Holzbearbeitungsmaschinen. Die beiden stattlichen Wohngebäude in Wilten hatten schon Fassaden ohne schwulstigen Dekor. Am Innrain in Innsbruck passt sein Tierbrunnen aus Beton noch heute in ein städtisches Verkehrszentrum. Schon 1907 zeigte er für den Neubau eines Kaufhauses in der Maria-Theresien-Straße seine Baugesinnung: Er wies auf den Kanon der „schmalen und erkerreichen Mietshäuser“ und die maximale Traufhöhe von 18,5 m hin. Als Beamter der Schlossverwaltung in Innsbruck und neben 29 Berufsjahren als Direktor seiner Schulen sah Deininger als wichtigste Lebensaufgabe das Bewahren von kulturellen Werten, die Denkmalpflege. Ihr diente er mit hunderten von Beratungen, Dokumentationen, Kollaudierungen, Maßskizzen oder Aquarellen (zusammen über 1000 erhalten), mit Plänen für eigenhändige und aufgetragene Restaurierungen und 422 Publikationen. All das machte er von 1876 bis 1912 ehrenamtlich, nur gegen nachträgliche „Liquidation der Reisekosten“. Erst dann war er zehn Jahre lang mit Gehalt technischer Landeskonservator. Er war der Erste, der auch für Bauernhäuser und für bis dahin unbeachtet gebliebene Kulturgüter im ländlichen Raum Denkmalschutz erreichte. Er hat es als gebürtiger Wiener nicht verdient, in seiner geliebten Wahlheimat, dem ganzen ehemaligen Kronland Tirol und Vorarlberg, vergessen zu werden.

Bezug unter folgender Adresse:

Institut für Archäologien
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
z. Hd. Julia Stadler
Innrain 52, 6. Stock, A-6020 Innsbruck
Tel.: 0043 (0)512/507-4321
Fax: 0043 (0)512/507-2886
e-mail: Ur-Fruehgeschichte@uibk.ac.at

Weiterführendes: http://www.uibk.ac.at/urgeschichte/publ/alle_publ.html