Publikationen
Kulturberichte aus Tirol 2009
Denkmalpflege in Tirol. Jahresbericht 2007
Buch Kurzinfo
Titel: Kulturberichte aus Tirol 2009
Untertitel: Denkmalpflege in Tirol. Jahresbericht 2007
Erscheinungsjahr: 2009
Seiten: 159
61. Denkmalbericht, Februar 2009
Präsentation des Jahresberichtes 2007 durch Landeskonservator HR Dr. Franz Caramelle am 24.03.2009
„Die Präsentation des alljährlich erscheinenden Denkmalberichts ist für das Bundesdenkmalamt immer ein besonderes Ereignis, wenngleich festzuhalten ist, dass es sich hier nicht um einen Arbeitsnachweis des Landeskonservatorates handelt, sondern um eine Zusammenfassung aller Aktivitäten in und an einem Denkmal in Tirol, die innerhalb eines Jahres – diesmal also 2007 – durchgeführt worden sind. Und diese Aktivitäten betreffen beileibe nicht nur das Bundesdenkmalamt, das als Behörde für die fachlich richtige Abwicklung der Restaurierungsarbeiten zuständig ist, sondern eine ganze Reihe von anderen Institutionen und Persönlichkeiten, die ebenfalls in hohem Maße in den Erhaltungs - und Restaurierungsprozess eingebunden sind, in erster Linie natürlich die Denkmaleigentümer, die vielen Spender und Sponsoren, die Subventionsgeber der öffentlichen Hand, zahlreiche engagierte Einzelpersonen, die Restauratoren und Handwerker, Architekten und Baufirmen. Sie alle tragen dazu bei, dass die Denkmalpflege in unserem Land funktioniert und wir den internationalen Auftrag, das kulturelle Erbe unserer Vorfahren möglichst vollständig und unverfälscht der nächsten Generation weiterzugeben, erfüllen können.
Der vorliegende Jahresbericht stellt aber nicht nur eine Zusammenfassung sämtlicher denkmalpflegerischer Maßnahmen in Tirol dar, sondern hält auch fest, welche Denkmäler unter Schutz gestellt wurden, was sich auf dem Dokumentations- bzw. Inventarisationssektor getan hat, welche Denkmäler verloren gegangen sind und wo die Bodendenkmalpflege tätig war.
Schwerpunkt des denkmalpflegerischen Alltags im Jahre 2007 waren naturgemäß jene Arbeiten, die der Erhaltung und Pflege der Baudenkmäler dienen, wobei festzustellen ist, dass die Instandsetzungsmaßnahmen auf dem sakralen Denkmalsektor in den letzten Jahren sukzessive zurückgegangen sind. Dafür war die Innenrestaurierung der Wiltener Stiftskirche, die weitgehend fertig gestellt werden konnte, von besonderer künstlerischer Bedeutung, zum einen, weil der Innenraum wieder sein barockes Erscheinungsbild zeigt, zum andern, weil mit der Wiederaufstellung des Chorgestühls von Urban Klieber ein Hauptwerk des Klassizismus in Tirol seinen ursprünglichen Platz zurückerhalten hat. Erwähnenswert auch die Fertigstellung der Restaurierungsarbeiten im Fürstenchor in der Innsbrucker Hofkirche – einem grandiosen Renaissancedenkmal mit prachtvollen Holzintarsien – und des Perigrinialtares in der Innsbrucker Servitenkirche – einem manieristischem Kleinod aus Elfenbein und Ebenholz. Aus den Pfarrkirchenrestaurierungen ragt jene von Amras heraus, weil man dort nicht nur die Raumhaut mustergültig nach den originalen Rokokotönen in Kalk gefärbelt, sondern auch den Mittelgang wieder hergestellt und den Vorraum durch den Einbau eines Schutzgitters aufgewertet hat. Einen ähnlichen Erfolg zeigten die Innenrestaurierungen der Pfarrkirchen von Sautens und Schlitters, bemerkenswert auch die exponiert gelegene Wallfahrtskirche von Maria Brettfall am Eingang ins Zillertal, die baulich saniert und außen wie innen restauriert worden ist.
Wie jedes Jahr fanden wieder zahlreiche Kapellenrestaurierungen statt, die in schon gewohnter Weise vom Land großzügig finanziell unterstützt wurden. Stellvertretend für viele seien die Sanierung der gotischen Sebastianskapelle in Holzgau, der frühbarocken Sylvesterkapelle in Nussdorf – Debant und der barocken Annenkapelle in Haiming, Oberriedern genannt.
Viel zu wenig beachtet werden die Instandsetzungsmaßnahmen an den diversen Kleindenkmälern, die durch ihre Vielzahl und nicht selten auch künstlerische Qualität unserer Kulturlandschaft prägen. Gute Beispiele sind etwa die Restaurierungen des spätgotischen Bildstocks von Radfeld und der barocken Nepomukfigur am Lehnbach in Obermieming.
Dass auch an einigen der 351 Tiroler Pfarrhäuser, bei denen es sich meistens um kulturgeschichtlich interessante Baudenkmäler handelt, die mit der Kirche eine Ensemblewirkung eingehen, Restaurierungsarbeiten vorgenommen wurden, gehört ebenfalls schon zum fixen Bestand jedes Jahresberichts. Diesmal betrafen sie unter anderem den Widum von Navis, dessen reiche Fassadenmalereien konserviert werden mussten, den Dekanatswidum von Sillian – hier wurde das Bischofszimmer mit seiner prächtigen spätgotischen Balkendecke restauriert – und den Pfarrhof von Mariathal, der einer kompletten Außenrestaurierung unterzogen wurde.
Auf dem profanen Denkmalsektor reicht die Palette von großen Revitalisierungskampagnen bis hin zu kleinen Reparaturen, die mitunter für ein Baudenkmal von wesentlicher Bedeutung sind. Auf dem Burgensektor war die Restaurierung von Friedberg das größte Bauvorhaben, die auf mehrere Jahre angesetzte Instandsetzung von Altfinstermünz wurde ebenso fortgesetzt wie jene von Hasegg in Hall in Tirol. Die Generalsanierung der Innsbrucker Hofburg wurde mit einer gründlichen Befundung begonnen und die Freilegung und Konservierung der Ruine Engelsberg in Hopfgarten im Brixental durchgeführt.
Die denkmalpflegerischen Aktivitäten in den Altstädten und Ortskernen gingen unvermindert weiter, die Schwerpunkte lagen wie immer in Innsbruck, Hall, Rattenberg, Schwaz, Imst und Landeck. Ein großartiges Ergebnis brachte die nach dem Brand notwendig gewordene Revitalisierung des Malerwinkels in Rattenberg, die zweifellos ein Musterbeispiel moderner Denkmalpflege ist. Im Gegensatz dazu war der Abbruch der beiden Häuser Maria – Theresien – Straße 31 und 33 / 35 in Innsbruck, also des Kaufhauses Tyrol, eine schwere Niederlage für den Denkmalschutz. Der Verlust dieser beiden Häuser bedeutet den extremsten Eingriff in das Bild der Innsbrucker Innenstadt seit dem zweiten Weltkrieg und hat eine empfindliche Lücke in das zwar heterogene, im gesamten jedoch durchaus geschlossene Straßenbild der Maria – Theresien – Straße gerissen. Dass nun weder das Siegerprojekt des Wettbewerbs noch der vom Bauherrn eingereichte und auch nicht der schließlich vom Ministerium genehmigte architektonisch äußerst dürftige Entwurf zur Ausführung gelangt, ist das einzig positive in dieser Causa, die nicht nur die Medien, sondern auch die ganze Bevölkerung durch Monate hindurch beschäftigt hat.
Wer den heute präsentierten Jahresbericht aufmerksam durchliest, wird vielleicht erstaunt sein über die Fülle der denkmalpflegerischen Aktivitäten, die neben einem erheblichen Arbeitseinsatz auch einen hohen finanziellen Aufwand erfordert haben. Dass diese bewältigt werden konnten ist der guten Zusammenarbeit mit zahlreichen Institutionen und Persönlichkeiten zuzuschreiben, denen für die vielfältige Unterstützung Dank auszusprechen ist.“
Der Jahresbericht 2007 erschien in der vom Land Tirol herausgegebenen Reihe "Kulturberichte aus Tirol". Restexemplare sind im Landeskonservatorat für Tirol, Burggraben 31, 6020 Innsbruck und in der Abteilung Kultur des Amtes der Tiroler Landesregierung, Sillgasse 8, 6020 Innsbruck (Tel.: +43 (0)512 508 3752; E-Mail: kultur@tirol.gv.at), kostenlos erhältlich.


