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Neuerscheinung

Fundberichte aus Österreich 49, 2010

Aufsätze, Grabungsberichte und Fundmeldungen aus dem Jahr 2010

Buch Kurzinfo

AutorIn: Nikolaus Hofer (Hrsg.)

Titel: Fundberichte aus Österreich 49, 2010

Untertitel: Aufsätze, Grabungsberichte und Fundmeldungen aus dem Jahr 2010

Erscheinungsjahr: 2011

Seiten: 524

ISBN: ISSN 0429-8926

Preis: € 125,-

Den Band "FÖ 49, 2010" erhalten Sie beim Verlag Berger sowie im gut sortierten Buchhandel!

Aus dem Inhalt:

5  Editorial

9  Bernhard H e b e r t, Nikolaus H o f e r u. a., Jahresbericht zur archäologischen Denkmalpflege 2010
47  Jakob M a u r e r, Jungneolithischer Abfall von der Schweighofer Mauer, KG Ertl, Niederösterreich
101  Oliver S c h m i t s b e r g e r, Ausgewählte Befunde und Funde der Kupferzeit sowie der Bronzezeit von der Trasse der Ortsumfahrung Maissau, Niederösterreich
145  Markus S t a u d t, Ein rätisches Haus in Wenns, Tirol
163 Ulla S t e i n k l a u b e r und Wolfgang A r t n e r, Abschlussbericht zu den Grabungs- und Konservierungsarbeiten in der römerzeitlichen „Villa“ von Kleinstübing, Steiermark
173  Marianne P o l l a k und Franz G l a s e r, Beobachtungen am östlichen Stadtrand von Virunum
181  Bernhard H e b e r t u. a., Ausgewählte Beiträge zum Fachgespräch „Nassholzkonservierung“ am 11. Mai 2010 in Graz

221  Fundchronik 2010
501  Register
 

ISSN 0429-8926



Zusammenfassungen der Aufsätze


Jakob Maurer, Jungneolithischer Abfall von der Schweighofer Mauer, KG Ertl, Niederösterreich
Diese Arbeit bietet mit der Analyse eines repräsentativen Ausschnitts der bekanntgewordenen Sammelfunde von der Schweighofer Mauer (KG Ertl) einen Überblick über den von einer Landsiedlung der MSG im Grenzraum Niederösterreich/Oberösterreich zu erwartenden Siedlungsabfall. Bei den Kleinfunden sind ein punktverzierter, ehemals wahrscheinlich mit Birkenteer inkrustierter Bäreneckzahn sowie die Fragmente einer Flachhammer-
Axt und eines Schuhleistenkeils erwähnenswert, bei der furchenstichverzierten Ware neben den allgemein Mondsee-typischen Formen scharf profilierte Gefäße mit tiefem,
feinem Furchenstich sowie ein gerundeter Krug mit Furchenstich auf dem Standboden. Die auffällige Lage des Fundorts auf einer ausgesetzten Felsklippe zeigt eine frappante Übereinstimmung zu weiteren Plätzen in der Region und wird als Ausdruck einer aus eher kleinen Personengruppen bestehenden, möglicherweise verstärkt jagdlich orientierten Gesellschaft interpretiert. Die gleichfalls gut mit diesen Vergleichssiedlungen parallelisierbare chronologische Entwicklung vom Ende der frühen bis in die fortgeschrittene Mondsee-Gruppe weist darauf hin, dass auch die am Ende der Besiedelung stehende Kerbleistenkeramik noch zur Mondsee-Gruppe gezählt werden kann. Sie zeigt bereits deutliche Anklänge zur Chamer Gruppe und dürfte sich durch einen Einfluss der Boleráz-Gruppe herausgebildet haben, der sich auf der Schweighofer Mauer auch durch mindestens einen wahrscheinlichen „echten“ Import fassen lässt. Am Umbruch vom Jung- zum Endneolithikum wurde diese Gruppe von besonders kleinflächigen Höhensiedlungen dann im Gefolge von wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Veränderungen verlassen.
Jakob Maurer, Late Neolithic waste material from the “Schweighofer Mauer”, Ertl, Lower Austria
This article offers an overview of the settlement waste material to be expected from a rural settlement of the Mondsee group in the Lower/Upper Austrian border area on the basis of an analysis of a representative sample of the known finds from the so-called “Schweighofer Mauer” (“Schweighof wall”, Ertl village). Worthy of mention among the small finds are a bear canine decorated with stab marks and probably formerly encrusted with birch pitch and fragments of a thin-sectioned hammer/axe and a shoe-last axe. Among the pottery with channelled decoration are not only the typical Mondsee forms, but also strongly contoured vessels with deep, delicate furrows
and a rounded jug with channelled decoration on its base. The striking location of the finds site on an exposed cliff is remarkably similar to other sites in the region and is seen to indicate a society, which consisted of generally small groups of individuals and probably had an intensified focus on hunting. The chronological development from the end of the early stage to the advanced stage of the Mondsee group, which corresponds to the settlements mentioned, indicates that the notched edged pottery of the last settlement phase can also be seen as part of the Mondsee group. This pottery already echoes that of the Cham group and probably developed under the influence of the Boleráz group, which in its turn is recognisable at the Schweighofer Mauer by at least one probably “genuine” import. This group of small-scale, high-lying settlements
was abandoned in the course of economic or societal changes during the transition from the Late to the Final Neolithic periods. (Translation: Paul Mitchell)


Oliver Schmitsberger, Ausgewählte Befunde und Funde der Kupferzeit sowie der Bronzezeit von der Trasse der Ortsumfahrung Maissau, Niederösterreich
Im Zuge der Grabungen auf der Trasse der Ortsumfahrung Maissau (KG Maissau und Parisdorf, SG Maissau und MG Ravelsbach, VB Hollabrunn) 2008 bis 2010 wurden unter anderem auch bemerkenswerte Befunde beziehungsweise Fundkomplexe der Kupferzeit und der Bronzezeit entdeckt. Davon werden einige hier vorgestellt. Auf
Fläche 4 wurden zwei beigabenlose Bestattungen in gestreckter Rückenlage aufgefunden. Befunde im Zusammenhang mit den Gräbern lassen auf oberirdische Aufbauten beziehungsweise ehemalige Grabhügel schließen. Ein 14C-Datum erlaubt eine Zuordnung zur frühen bis klassischen Phase der Baalberger Kultur des Trichterbecher-Kulturkomplexes. Siedlungsbefunde dieser Kultur wurden auf derselben Grabungsfläche in unmittelbarer Nähe der Bestattungen festgestellt. Auf Fläche 4/5 wurden weiters zwei Gräber der Schnurkeramik dokumentiert. Während das erste die Hockerbestattung eines Mannes mit zwei Beigabengefäßen enthielt und offensichtlich alt beraubt war, handelte es sich beim zweiten Grab um eine birituelle Doppelbestattung (männliche Hockerbestattung und Brandbestattung eines weiteren
Erwachsenen). Bei dem Mann lag ein Silex-Dolchmesser im Beckenbereich. Der Leichenbrand, der sich auf etwas höherem Niveau befand und dem keine Beigaben zugeordnet werden können, könnte auch von einer Nachbestattung stammen. Die Gräber aus Maissau stellen eine erste Verbindung zwischen den Lokalgruppen des Unteren Traisentals und Mährens dar. Auf Fläche 2 wurden unter anderem frühbronzezeitliche Siedlungsbefunde aufgedeckt. Die Gruben datieren in die zweite Stufe der Aunjetitzkultur (Altaunjetitz und vorklassisches Aunjetitz). Bemerkenswert sind eine große Anzahl von Knochengeräten und Funde, die eine metallurgische Tätigkeit belegen. Befunde der klassischen Aunjetitzkultur wurden auf der benachbarten Fläche 1 ausgegraben, weshalb von einer Siedlungsverlagerung an der Wende von der zweiten zur dritten (klassischen) Stufe der Aunjetitzkultur ausgegangen werden kann. Bei den Ausgrabungen wurden unter anderem auch Befunde der Mittelbronzezeit und der Urnenfelderzeit erfasst. Abschließend wird exemplarisch ein Fundkomplex vorgestellt, welcher der „Übergangsstufe“ (in einem weit gefassten Sinn) zwischen diesen beiden Zeitabschnitten angehört.
Oliver Schmitsberger, Selected Copper and Bronze Age contexts and finds from the route of the Maissau by-pass, Lower Austria
Remarkable features and finds complexes from the Copper and Bronze Ages were discovered from 2008 to 2010 in the course of excavations on the route of the Maissau by-pass (Maissau and Parisdorf communities, Maissau municipality and Ravelsbach township, Hollabrunn district). A selection is presented here. Two unfurnished, extended supine burials were found in Area 4. Contexts associated with the burials indicate the previous existence of above-ground structures or burial mounds. These graves can be attributed with the help of a 14C date to the early to classic phase of the Baalberg culture of the funnel beaker culture complex. Settlement finds from this culture were identified in the same excavation area in the immediate vicinity of the burials. Two graves from the corded ware culture were further recorded in Area 4/5. One of these was the crouched burial of a man with two pottery vessels as grave goods, which had been obviously been robbed in antiquity. The second grave was a biritual double burial (male crouched burial and the cremation burial of a further adult). A silex knife dagger lay beside the man in the hip area. The cremated bone, which was found somewhat further up the grave and which could not be shown to be associated with grave goods, could however originate from a secondary burial. The graves in Maissau connect the local groups from the Lower Traisen valley and from Moravia for the first time. In Area 2 Early Bronze Age settlement features were among the contexts found. The pits date to the second stage of the Aunjetitz culture (Old Aunjetitz and pre-classic Aunjetitz). A large amount of bone tools and finds, which indicate metalworking are particularly significant here. Contexts from the Aunjetitz
culture were also excavated in the neighbouring Area 1, indicating a settlement relocation at the turning point from the second to the third (classic) stage of the Aunjetitz culture. Features from the Middle Bronze Age and the Urnfield
period were also recorded during the excavations. The article closes with the exemplary discussion of a finds complex from the (broadly considered) “transition period” between these two periods. (Translation: Paul Mitchell)


MarkusStaudt, Ein rätisches Haus in Wenns, Tirol
Anfang Jänner 2001 wurden auf einer Hangterrasse in Wenns im Tiroler Pitztal (KG und OG Wenns, PB Imst) Trockenmauern eines eisenzeitlichen Gebäudes entdeckt.
Das rätische Haus kam im Zuge von Flurbereinigungen zu Tage und war zum Zeitpunkt der Entdeckung bereits teilweise zerstört. Der für die „casa retica“ charakteristische gewinkelte Zugang und die Ost- sowie die Nordmauer waren noch mehrlagig erhalten. Die verbrannten Reste des Holzfußbodens, die verkohlten, verstürzten Holzsteher, der verziegelte Lehm und die vorgefundenen Keramikfragmente mit Spuren sekundärer Hitzeeinwirkung unter dem Mauerversturz im Rauminneren deuten darauf hin, dass das Gebäude durch eine Brandkatastrophe
zerstört wurde. Die wenigen Keramikgefäße sind fast vollständig erhalten und lassen sich in einen engen zeitlichen Rahmen eingrenzen. Der Bestand und auch der Untergang des Hauses sind wohl am Beginn der Fritzens-Sanzeno-Kultur (Ha D2–LT A) anzusetzen.
Markus Staudt, A Rhaetian house in Wenns, Tyrol
Dry stone walls belonging to an Iron Age building were discovered on a hillside terrace in Wenns, in the Pitze valley, Tyrol (Wenns village, Imst district) in January 2001. The Rhaetian house was revealed during land reallocation and consolidation and was already partly destroyed at the time of discovery. Several courses of the
winding entry characteristic of the “casa retica”, as well as of the northern and eastern walls, had survived however. The burnt remains of the wooden floor, the charred, collapsed wooden posts, the burnt clay and the secondarily brunt potsherds under the rubble inside the walls show that the building was destroyed in a disastrous fire. The few pottery vessels found are almost complete and can be dated fairly closely. The life and end of the house belong to the beginning of the Fritzens-Sanzeno culture (Ha D2–LT A). (Translation: Paul Mitchell)


Ulla Steinklauber und Wolfgang Artner, Abschlussbericht zu den Grabungs- und Konservierungsarbeiten in der römerzeitlichen „Villa“ von Kleinstübing, Steiermark
2006 bis 2009 wurde im Zuge eines Unterschutzstellungsverfahrens ein kleiner Bereich des wahrscheinlich als römische Villa nahe der Murtalstraße anzusprechenden Gebäudekomplexes in Kleinstübing nördlich von Graz (KG Kleinstübing, MG Deutschfeistritz, PB Graz-Umgebung) ergraben. Die gut erhaltenen Überreste zweier kleiner, mit einer Fußbodenheizung versehener (Bade-?)Räume wurden anschließend mit wesentlicher Unterstützung des Grundeigentümers (SOS-Kinderdorf) schonend unter einem Schutzbau konserviert. Die Präsentation wird durch einen Schauraum im nahe gelegenen Schloss ergänzt. 2009 wurde bei den abschließenden Arbeiten ein einzelnes Brandgrab einer zwischen dem 31. und 50. Lebensjahr verstorbenen Frau mit keramischen Beigaben entdeckt, die in die späte Mittel-La-Tène- bis frühe Spät-La-Tène-Zeit zu setzen sind.
Ulla Steinklauber and Wolfgang Artner, Final report about the excavations and conservation work in the Roman-period “villa” at Kleinstübung, Styria
Between 2006 and 2009 a rescue excavation took place over a small area of a building complex thought to be a villa near the Mur valley road in Kleinstübing to the north of Graz (Kleinstübing village, Deutschfeistritz township, Graz Suburbs district). The well-preserved remains of two small rooms, which were equipped with heated floors and possibly formed part of a bathhouse, were afterwards, with the support of the landowner (SOS-Kinderdorf), carefully preserved underneath a protective structure. The presentation is complemented by an exhibition room in the adjacent manor house. In 2009, during the completion of the works, a cremation burial belonging to a woman who died between the ages of 31 and 50 was discovered, accompanied by pottery grave goods dated to the late mid- to early late La Tene period. (Translation: Paul Mitchell)


Marianne Pollak und Franz Glaser, Beobachtungen am östlichen Stadtrand von Virunum
Für die Inventarisation der archäologischen Fundstellen (archäologische Landesaufnahme) werden sämtliche zur Verfügung stehenden Informationen überprüft und entsprechend dem aktuellen Forschungsstand bewertet. Zur Überprüfung des Erhaltungszustandes und Vorbereitung denkmalpflegerischer Maßnahmen erfolgen begleitende Geländebegehungen. Am östlichen Stadtrand von Virunum (MG Maria Saal, PB Klagenfurt Land) konnte dabei ein seit dem 17. Jahrhundert bekannter Gebäudekomplex am Westhang des Töltschacher Berges identifiziert werden. Das 2004 in die Literatur eingeführte Militärlager stellte sich hingegen als Teil des nachrömischen Flursystems beziehungsweise als wohl antikes Steinbruchgelände heraus.
Marianne Pollak and Franz Glaser, Observations at the eastern edge of Virunum
As part of the inventarisation of archaeological sites (archaeological survey) all available information is checked and assessed in the light of the present state of
research. This activity is accompanied by inspection in the field in order to determine the condition of the site and to prepare protective measures. A complex of buildings, first mentioned in the 17th century, has now been located on the western slopes of Töltschach hill at the eastern edge of the Roman town of Virunum (Maria Saal township, Klagenfurt Suburbs district). The military camp put forward in
2004 has instead turned out to be part of a post-Roman field system and a presumably antique quarry area. (Translation: Paul Mitchell)


Bernhard Hebert u. a., Ausgewählte Beiträge zum Fachgespräch „Nassholzkonservierung“ am 11. Mai 2010 in Graz
Mit der Veröffentlichung der folgenden Beiträge möchte das Bundesdenkmalamt eine verstärkte Beschäftigung mit der für die archäologische Denkmalpflege überaus wichtigen Thematik der archäologischen Konservierung beginnen, spielen diese und die in Österreich dafür noch zu entwickelnden Standards doch eine ganz wesentliche
Rolle für die authentische Bewahrung des archäologischen Erbes. Das Bundesdenkmalamt will seine Funktion als Kommunikations- und Kontrollinstanz auch in diesem Bereich gemeinsam mit Fachinstitutionen und archäologischen Restauratorinnen und Restauratoren in Abstimmung mit internationalen Gepflogenheiten ausbauen. Den Anlass für das gut besuchte – und am folgenden Tag in einem hier nicht dokumentierten Werkstatt-Workshop (man verzeihe den Pleonasmus) fortgesetzte – Fachgespräch gab, wie einleitend im Beitrag von
Robert Fürhacker und Anne-Kathrin Klatz geschildert, ein bemerkenswerter prähistorischer Holzbefund aus der Steiermark. Den beiden Autoren sei auch als Mit-Organisatoren der Veranstaltung ebenso herzlich gedankt wie den in- und ausländischen Kooperationspartnern. (Vorwort Bernhard Hebert)