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Fundberichte aus Österreich 48, 2009

Buch Kurzinfo

Titel: Fundberichte aus Österreich 48, 2009

Erscheinungsjahr: 2010

Seiten: 540

Preis: € 125,-



 

Den Band "FÖ 48, 2009" erhalten Sie beim Verlag Berger sowie im gut sortierten Buchhandel!

ISSN 0429-8926


Aus dem Inhalt:

Vorwort
Die Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes.
Jahresbericht 2009

Christoph Blesl, Marianne Mödlinger, Theodoros Ntaflos und Dietmar Salaberger, Untersuchungen zu Herstellung und Gebrauch eines Schalenknaufschwertes aus Unterradlberg, Niederösterreich
Tagungsbericht zum Symposium „Die archäologische Erforschung römischer Villen im Ostalpenraum“ in Södingberg 2008
Christina Kaufer und Karsten Wink, Archäologische Untersuchungen auf der Ruine Vilseck 2001–2006. Überlegungen zur Baugenese der Burg und Versuch einer Rekonstruktion
Johann Rudorfer, Von Winzern und Söldnern. Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen am Marktplatz 17 in Perchtoldsdorf, Niederösterreich
Nikolaus Hofer, Ein spätmittelalterlicher Fundkomplex aus der ehemaligen Kartause Marienthron in Gaming, Niederösterreich
Regina Barlovits, Andrea Csapláros, Gábor Tóth und Diether Kramer, Die Rettungsgrabungen 2004 und 2007/2008 im Bereich des Friedhofs Orpheumgasse/Ecke Georgigasse, Graz. Ergebnisse der anthropologischen Untersuchung
Tagungsbericht zum Fachgespräch „Archäologische Denkmalpflege in Österreich 1992–2008“. Christa Farka zum Geburtstag
Barbara Wewerka, Oliver Schmitsberger u. a., Erster Vorbericht über die Ausgrabungen des Vereins ASINOE im Projektjahr 2009

Fundchronik

Register

Redaktionelle Hinweise



Beachten Sie auch unsere Neuerscheinungen 2010:
Die Burg Wagrein (FÖMat A/Sonderheft 11)
Handbuch zur Terminologie der mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik (FÖMat A/Sonderheft 12)




Zusammenfassungen der Aufsätze

Christoph Blesl, Marianne Mödlinger, Theodoros Ntaflos und Dietmar Salaberger, Untersuchungen zu Herstellung und Gebrauch eines Schalenknaufschwertes aus Unterradlberg, Niederösterreich
Ein Schalenknaufschwert vom Typ Wörschach mit gebrochenem Heft aus Grab Verf. 833 in Unterradlberg (Stadt St. Pölten, Niederösterreich) wurde hinsichtlich seiner Herstellung und Verwendung mittels Stereomikroskop, Röntgenografie, 3D-Röntgencomputertomografie, EMS und Metallografie untersucht. Die Fundstelle des Grabes in einer von drei benachbarten Gräbergruppen mit zugehörigen Siedlungsplatzen liegt innerhalb einer ur- und frühgeschichtlich extrem dicht besiedelten Region. Der Schwertgriff wurde um einen Tonkern gegossen. Der Anguss befand sich am Übergang Griffstange/Griffschale. Der Anguss der Klinge (Zinngehalt 10,4 %) befand sich im Gegensatz zu zahlreichen Vollgriffschwertern am oberen Klingenende. Gerade an dieser Stelle sollte der Guss von bester Qualität sein. Durch den falschen Anguss entstanden im Heftbereich zahlreiche Lunker, die für den Bruch der Klinge an dieser Stelle verantwortlich waren. Durch den Bruch der Klinge kam es bei der Verwendung zu zahlreichen Rissbildungen im Heftbogen und um die Niete, in weiterer Folge zu zusätzlichen Brüchen an Klinge und Niete sowie schließlich zum vollständigen Ausbrechen der Klinge. Das Fehlen weiterer Schadspuren spricht gegen ein intentionelles „Unbrauchbarmachen“ der Waffe. Den Gebrauch des Schwertes als Waffe zeigen auch die Nachbearbeitungs- und Schärfungsspuren deutlich an. Die technische Qualität des Stückes ist im Vergleich zu anderen Schwertern als schlecht zu bezeichnen.
Analysis of the manufacture and use of a Bronze age sword of Schalenknauf-type from Unterradlberg, Lower Austria (Christoph Blesl, Marianne Mödlinger, Theodoros Ntaflos and Dietmar Salaberger)
A 3000-year-old sword with a broken blade of the Schalenknauf-type, found in a Late Bronze Age grave near St. Pölten (Lower Austria), was analysed using different methods in order to learn about the manufacture and use of Bronze Age swords. Among the methods used were X-ray, micro-X-ray computer tomography, EPMA, metallographic and surface analysis. The micro-X-ray computer tomography was carried out at the University of Applied Sciences in Wels (Upper Austria); it is the first time that this method has been used on Bronze Age weaponry in Austria. It was possible to detect the cause of the breakage, assess the quality of the casting and locate the pouring gate. The casting method, the construction of the haft and the casting mould were also described in detail. The break of the blade and the absence of other visible destruction marks (which are often found on intentionally destroyed swords) are arguments that support the idea of the sword as a weapon. The sword blade was annealed and cold-worked as the metallographic examination of the blade sample showed. Afterwards the blade was sharpened. A great deal of European research on Bronze Age swords still treats them as unused or unusable weapons; this denies thousands of years of continuous development towards their maximum efficiency.



Tagungsbericht zum Symposium „Die archäologische Erforschung römischer Villen im Ostalpenraum“ in Södingberg 2008
Am 31. Oktober 2008 fand in Södingberg in der Weststeiermark auf großzügige Einladung der Gemeinde ein von Landesmuseum Joanneum/Abteilung Archäologie und Bundesdenkmalamt mit Unterstützung von Prof. Dr. Ernst Lasnik organisiertes Symposium statt. Die Wahl des Tagungsortes ergab sich auch daraus, dass die Gemeinde dem Fachpublikum erstmals ihr mit viel Engagement eingerichtetes „KELTEN und RÖMER Museum Södingberg“ präsentieren wollte, das die Untersuchungen des Österreichischen Archäologischen Institutes und des Bundesdenkmalamts in der Villa von Södingberg im Besonderen und die Archäologie des Södingtals im Allgemeinen vermittelt.
Die Referate ermöglichten nicht nur eine Zusammenfassung einiger neuer Ansätze zur Villenforschung in der Steiermark, sondern vermitteln auch einen guten Überblick über die einschlägige aktuelle Forschung in Österreich. Dafür, dass die hier veröffentlichten Beiträge sogar über das in den Referaten Gebotene hinausgehen, ist insbesondere den beim Symposium zwar nicht referierenden, aber rege diskutierenden Kollegen und Kolleginnen zu danken, die ihre Forschungen noch in den schriftlichen Tagungsbericht einzubringen bereit waren. (Vorwort von Bernhard Hebert und Ulla Steinklauber)


Christina Kaufer und Karsten Wink, Archäologische Untersuchungen auf der Ruine Vilseck 2001–2006. Überlegungen zur Baugenese der Burg und Versuch einer Rekonstruktion
Die Burgruine Vilseck (KG und SG Vils, PB Reutte) liegt unweit der deutsch-österreichischen Grenze im Außerfern (Tirol). 1260 tauchen erstmals Angehörige eines Adelsgeschlechtes auf, die nach der Burg Vilseck benannt sind. 1592 wird die Burg zuletzt als Herrschaftssitz erwähnt. Nach einem Teileinsturz der Vorburgmauern begannen 2001 umfassende Sanierungsmaßnahmen, in deren Verlauf es auch zur Untersuchung des relevanten östlichen Bereichs des Burgplateaus kam. Bei Abschluss der Arbeiten gelang es erstmals, den erhaltenen Baubestand der Ruine Vilseck relativchronologisch und zeitlich differenziert in drei Bauphasen einzuteilen und einen neuen Grundrissplan zumindest ab der zweiten Bauphase der Anlage vorzulegen. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt die Feststellung, dass es sich bei den im Osten gelegenen Mauerbefunden nicht um den Palas, sondern um verschiedene Bauphasen der Ringmauer und einen Einbau gotischer Zeitstellung handelt, und die Erkenntnis, dass das 2004 entdeckte, in der Südostecke des Burgplateaus situierte Tor zumindest ab der zweiten Bauphase den Zugang zur Burgruine bildete. Von der Bausubstanz des 13. Jahrhunderts zeugen nur mehr wenige Mauerabschnitte. Der Grundriss der Anlage lässt sich erst für die zweite spätromanische Phase der Burg (14. Jahrhundert) rekonstruieren, die durch Umbauarbeiten im Nordostbereich und größere Neubauten (Vorburg und Zwinger) gekennzeichnet ist. Dem 15. Jahrhundert gehören Einbauten innerhalb der Nordostecke der Ringmauer und eine an der nördlichen Außenseite angebrachte Abortanlage an.
Archaeological research at the ruined site at Vilseck, 2001-2006. Thoughts about the genesis of the castle and an attempted reconstruction (Christina Kaufer and Karsten Wink)
The ruined castle of Vilseck (Vils municipality, Reutte district) lies not far from the German-Austrian border in the Außerfern area of Tyrol. Members of an aristocratic family named after Vilseck castle first crop up in 1260, while the castle is referred to as a manor for the last time in 1592. Comprehensive renovation work, which included the examination of the relevant eastern part of the castle plateau, began in 2001 after the partial collapse of the walls of the outer fortifications. Thanks to this work it is now possible to divide, in terms of relative chronology and temporally, the surviving architecture from the Vilseck ruin into three phases. One of the most important results is the discovery that the wall remnants in the eastern area are not part of the domestic block, but instead belong to different phases of the curtain wall and to a late medieval addition. Another is that the gate discovered in 2004, in the south-eastern corner of the castle plateau, formed the entrance to the castle from at least the second phase onwards. Only a few stretches of walls remain from the castle in the 13th century. The ground plan of the castle can be reconstructed only from the second, late Romanesque phase of the castle (14th century) onwards, a phase characterised by alterations in the north-eastern area and by large new buildings (outer ward and outer fortifications). Additional structures in the north-eastern corner of the curtain wall and a garderobe block on the northern edge of the perimeter can be dated to the 15th century.


Johann Rudorfer, Von Winzern und Söldnern. Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen am Marktplatz 17 in Perchtoldsdorf, Niederösterreich
Im Jahr 2004 wurden auf dem Grundstück Marktplatz 17 in Perchtoldsdorf (KG und MG Perchtoldsdorf, VB Mödling) aufgrund eines geplanten Bauvorhabens archäologische Untersuchungen durchgeführt. Die Nutzung des Areals lässt sich aufgrund der Grabungsergebnisse bis in das Hochmittelalter zurückverfolgen. Dabei weisen die ältesten Befunde eindeutig einen wirtschaftlichen Charakter auf. Die Fundamente einer Baumpresse lassen auf frühe Weinverarbeitung schließen, die wohl am Übergang vom 12. zum 13. Jahrhundert stattgefunden hat. Die hochmittelalterliche Weinpresse ist sicher der bedeutendste Befund dieser Grabung und bislang auch die einzige in situ nachgewiesene derartige Anlage in Österreich. Darüber hinaus lässt sie eine Neuinterpretation der hochmittelalterlichen Bebauung des Grundstücks zu. Im Spätmittelalter lässt sich zwar eine sporadische und partielle Nutzung zur Abfallentsorgung nachweisen, intensiver dürfte das Grundstück aber erst wieder im fortgeschrittenen 15. Jahrhundert und am Übergang zur Neuzeit genutzt worden sein. Die Auffindung zweier spätmittelalterlich/frühneuzeitlicher Waffenfunde lässt an einen Lagerplatz für die historisch zahlreich belegten Söldnerscharen denken, die der Markt bis in das fortgeschrittene 16. Jahrhundert aufzunehmen und zu verpflegen hatte. Erst ab der zweiten Hälfte beziehungsweise gegen Ende des 16. Jahrhunderts kann wieder eine intensivere Bebauung des Areals angenommen werden. Dies bezeugt ein Keller, der vermutlich zu einem Wohnhaus gehörte, welches wohl bis zum Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts bestanden hat und dessen Zerstörung vielleicht mit dem Türkeneinfall im Jahr 1683 zusammenhängt. In besagtes Gebäude war weiters eine Brunnenstube integriert. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde das Grundstück mehrfach umgestaltet, was teils beträchtliche Störungen der älteren Befunde mit sich brachte.
Winegrowers and mercenaries. Results of the archaeological excavations at No. 17 Marktplatz in Perchtoldsdorf, Lower Austria (Johann Rudorfer)
In 2004, a planned construction project led to archaeological excavations at the plot Marktplatz (Market Square) No. 17, Perchtoldsdorf (Mödling district). The excavation showed that the land has been in use since the High Medieval period, the oldest contexts being clearly commercial in character. The foundations of a ‘tree press’ indicate wine production on site at the turn of the 13th century. This high medieval wine press is without doubt the most important object found in the excavation, being the only one of its kind known in its original setting in Austria and leading to a new interpretation of the high medieval development of the plot. The late medieval period witnessed a sporadic and partial use of the land for waste disposal with the plot only being more thoroughly used in the late 15th century and at the birth of the modern period. The discovery of two late medieval/early modern weapon finds may imply its use as a camp site for the mercenary bands frequently mentioned in historical sources and which the township had to accommodate and supply until far into the 16th century. The development of the plot only seems to have intensified from the second half and towards the end of the 16th century onwards. This is indicated by a cellar, probably belonging to a residential building, which apparently existed until the end of the 17th or the beginning of the 18th centuries. The building included a well and may have been destroyed during the Turkish incursion in 1683. The plot was restructured on several occasions in the following centuries, leading in some places to considerable disturbance of the older contexts.



Nikolaus Hofer, Ein spätmittelalterlicher Fundkomplex aus der ehemaligen Kartause Marienthron in Gaming, Niederösterreich
Im Zuge von Umbauarbeiten in einer Zelle der ehemaligen Kartause Marienthron (KG und MG Gaming, VB Scheibbs) wurden im Jahr 2009 mehrere Keramikfunde und Tierknochen geborgen. Die keramischen Funde beinhalten hauptsächlich einfache Schüsselkacheln, aber auch eine bislang nur selten belegte rohrförmige Kachel. Unter den wenigen Gefäßkeramikfragmenten stechen Reste einer Henkelflasche mit gelochtem Boden, die eventuell als „Scherzgefäß“ zu interpretieren ist, heraus. Die geborgenen Funde zeigen sowohl formal als auch technologisch ein relativ einheitliches Bild und sind in den Zeitraum des späten 15. bis frühen 16. Jahrhunderts zu datieren. Bei den Tierknochen fällt der relativ hohe Anteil an Jagdwild auf.
A late medieval finds complex from the former Carthusian monastery Marienthron in Gaming, Lower Austria (Nikolaus Hofer)
Ceramics and animal bone finds were discovered in a cell of the former Carthusian monastery Marienthron (Gaming township, Scheibbs district) in the course of alteration work in 2009. The ceramic finds consisted mainly of simple bowl-shaped stove tiles, but a rare pipe-shaped tile was also found. A bottle with a handle and primary holes in its base – possibly a joke object – stands out among the few pottery vessels. The salvaged finds are relatively uniform formally and technologically and can be dated to the period around the late 15th and early 16th centuries. A relatively high proportion of the bone finds are from game animals.



Regina Barlovits, Andrea Csapláros, Gábor Tóth und Diether Kramer, Die Rettungsgrabungen 2004 und 2007/2008 im Bereich des Friedhofs Orpheumgasse/Ecke Georgigasse, Graz. Ergebnisse der anthropologischen Untersuchung
In den Jahren 2004 und 2007/2008 wurden in der Orpheumgasse in Graz (Stadt Graz, KG Lend) Ausgrabungen durchgeführt, die einen frühneuzeitlichen Friedhof erfassten. Die anthropologische Untersuchung der menschlichen Knochenfunde hat ergeben, dass die hier Bestatteten jung verstorben sind, was für die damalige Zeit typisch war. Die Bevölkerung weist einheitliche Merkmale auf, sie sind mit Beispielen aus Bremen und Zürich, aber auch mit zwei mittelalterlichen Serien aus Österreich vergleichbar. Es ließen sich zahlreiche Verletzungen an den Gliedmaßen nachweisen. Auffällig häufig sind Veränderungen an den Knochen, die durch physische Beanspruchung verursacht wurden. Besonders zu erwähnen sind die bei den paläopathologischen Untersuchungen nachgewiesenen Fälle von Syphilis und die Sektion eines Schädels.
The rescue excavations in 2004 and 2007/2008 in the area of the Orpehumgasse/Georgigasse cemetery in Graz. Results of the anthropological analysis (Regina Barlovits, Andrea Csapláros, Gábor Tóth and Diether Kramer)
Archaeological excavations at a cemetery from the early modern period took place in the Oprheumgasse, Graz, in 2004 and again in 2007/2008. The anthropological analysis of the human bone remains showed that those buried died young, as was common in that period. The population exhibited consistently similar features, comparable to examples in Bremen and Zurich, but also to two medieval series from Austria. Numerous injuries to the limbs were discovered and modifications in the bones, caused by physical strain, were particular common. Of particular interest are the proven cases of syphilis and the dissection of a skull, as shown by the palaeopathological analyses.



Tagungsbericht zum Fachgespräch „Archäologische Denkmalpflege in Österreich 1992–2008“. Christa Farka zum Geburtstag
Am 9. und 10. Oktober 2008 fand mit Unterstützung des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung/Wissenschaft und Forschung und mit Beteiligung des Landesmuseums Joanneum/Abteilung Archäologie ein Fachgespräch statt, das einen so guten Zuspruch fand, dass der Tagungsort, das Amtsgebäude des Landeskonservatorates für Steiermark in Graz, die fast hundert Teilnehmer und Teilnehmerinnen kaum fassen konnte.
Dies lag wohl ebenso in der Person der Geehrten wie in der brisanten Thematik der österreichischen Bodendenkmalpflege, die sich unter der neuen Präsidentin des Bundesdenkmalamtes, Dr. Barbara Neubauer, die an der Tagung ebenfalls teilnahm, am Weg zu einer Neupositionierung im Zuge der Neuorientierung der gesamten Denkmalbehörde befindet.
Die achtzehn gehaltenen Referate waren aus diesem Grund vielfach Ideenskizze für zukünftige oder Resümee und Hinterfragung zu geleisteter Arbeit. Nicht alles davon schien den Referenten und Referentinnen reif für eine Publikation, manches wird auch in anderweitige Publikationen einfließen. Wir glauben aber, mit den ausgewählten sechs Beiträgen einen guten Überblick zu bieten, der auch das Tätigkeitsfeld der Geehrten, die von 1992 bis 2009 der Abteilung für Bodendenkmale vorstand, zumindest teilweise widerspiegelt: Von der Einbindung steirischer Archäologen und Archäologinnen in die unter Farka räumlich, zeitlich und inhaltlich wesentlich ausgeweitete Bodendenkmalpflege über „klassische“ Fundstellen des Donauraums zur einer aktuellen (ausgelagerten) Großgrabung im Zuge eines linearen Bauvorhabens und einer Burganlage in einem erst in letzter Zeit vom Bundesdenkmalamt intensiver bodendenkmalpflegerisch betreuten Bundesland.
Möge der eingeschlagene Weg einer breiten Diskussion unter Einbeziehung aller Fachkollegen und Fachkolleginnen sowie aller an der archäologischen Denkmalpflege Interessierten in der schwierigen Situation unserer Disziplin helfen, unsere Denkmale in die Zukunft zu tragen. (Vorwort von Bernhard Hebert)


Barbara Wewerka, Oliver Schmitsberger u. a., Erster Vorbericht über die Ausgrabungen des Vereins ASINOE im Projektjahr 2009
Marco Kultus, David Ruß und Oliver Schmitzberger, Erste Ergebnisse der Rettungsgrabungen auf der Trasse der Ortsumfahrung Maissau 2009: Die Flächen 1-Nord und 2 bis 6
In Fortsetzung der seit 2008 durchgeführten Rettungsgrabungen auf der Trasse der Ortsumfahrung Maissau (KG Maissau und Parisdorf, SG Maissau, VB Horn) wurden 2009 die Flächen 1-Nord und 2 bis 6 ausgegraben. Es wurde eine Vielzahl an Siedlungsspuren und Bestattungen der Linearbandkeramik, des Mittel- und Spätneolithikums, der Früh-, Mittel- und Spätbronzezeit sowie der La-Tène-Zeit erfasst. Hervorzuheben sind dabei Befunde wie Siedlungsbestattungen unterschiedlicher Zeitstellung, Tierdeponierungen und Hausgrundrisse sowie ein Teil eines spätbronzezeitlichen Urnengräberfeldes. Ins Frühmittelalter (8. bis 9. Jahrhundert) datiert ein größerer Ausschnitt eines Gräberfeldes auf der Fläche 1-Nord. Große Teile der Trasse waren jedoch durch rezente Geländeumgestaltungen gestört (besonders die Flächen 3 und 4), dort waren die prähistorischen Befunde zum Teil völlig beseitigt.
First results of the 2009 rescue excavations on the route of the Maissau by-pass: (Areas “1-North” and 2 to 6) (Marko Kultus, David Ruß and Oliver Schmitsberger)
Further areas were excavated in 2009 on the route of the Maissau by-pass in continuation of the rescue excavations (Maissau municipality, Horn district), which began in 2008. Numerous settlement contexts and burials were encountered from the Linearbandkeramik, Mid- and Late Neolithic, Early, Middle and Late Bronze Age and La Tène periods. Among the most noteworthy discoveries were burials in settlements from different periods, entire houses and the deposition of animal carcasses, as well as part of a Late Bronze Age cremation burial ground. The large portion of a burial ground excavated in the area ‘1-North’ dates to the Early Medieval period (8th to 9th centuries). Large parts of the route (in particular areas 3 and 4) had been disturbed by recent earth movements however, leading in some places to the destruction of all prehistoric contexts.

Oliver Schmitsberger, Erste AMS-14C-Datierungen zu den Ausgrabungen auf der Trasse der Ortsumfahrung Maissau
Von den Ausgrabungen des Jahres 2008 auf der Fläche 1-Süd in Maissau wurden insgesamt elf Proben zur absoluten Datierung (VERA-AMS) eingereicht, wovon neun Ergebnisse brachten. Diese bestätigen die Einordnung der meisten bandkeramischen Bestattungen an den Übergang von der älteren zur jüngeren Linearbandkeramik. Die Datierung der Hirschdeponierungen in den älteren Abschnitt des Epilengyel wurde ebenfalls verifiziert. Überraschend war hingegen ein endneolithisches Datum für eine beigabenlose Bestattung, welche somit wohl den auf Fläche 4/5 aufgedeckten Gräbern anzuschließen ist. Eine menschliche Knochenprobe aus einer bronzezeitlichen Grube erbrachte erwartungsgemäß ein bronzezeitliches Datum.
AMS 14C dates from the excavations on the route of the Maissau by-pass (Oliver Schmitsberger)
Eleven samples from the 2008 excavations in the area “1-South” in Maissau were handed in for absolute dating (VERA-AMS), nine of which produced a result. The samples confirmed the advance dating of most of the band ceramics burials in the transition period from the earlier to the younger Linearbandkeramik period. The dating of deer burials to the older part of the Epilengyel period could also be confirmed, but a late Neolithic date for a burial without grave goods was a surprise, meaning that it is presumably associated with the graves discovered in areas 4 and 5. A sample of human bone from a Bronze Age period pit was accordingly dated, as expected.

Ursula Zimmermann, Ein linearbandkeramischer Sickerbrunnen und andere bemerkenswerte Befunde in Würnitz
Bei Rettungsgrabungen in der Katastralgemeinde Würnitz (MG Harmannsdorf, VB Korneuburg) wurden auf einer alt bekannten Fundstelle Befunde vom Altneolithikum bis zum Frühmittelalter dokumentiert. Hervorzuheben sind eine Siedlungsbestattung und ein vermutlicher Sickerbrunnen der Linearbandkeramik sowie zwei Gruben des jungneolithischen „Scheibenhenkelhorizontes“. Weitere Befunde datieren in die Bronze- und Eisenzeit. Die frühmittelalterlichen Siedlungsobjekte sind ins 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. zu stellen und wohl der im Ortsnamen „Würnitz“ belegten slawischen Besiedlung zuzurechnen.
A Linearbandkeramik infiltration well and other interesting features in Würnitz (Ursula Zimmermann)
Contexts dating from the Early Neolithic to the Early Middle Ages were recorded during rescue excavations at a previously-known site at Würnitz (Harmannsdorf township, Korneuburg district). A settlement burial, a probable infiltration well and two pits from the late Neolithic, “disc-shaped handle phase” are particularly interesting. Other contexts are from the Bronze and Iron ages. The early medieval objects belong to the 8th and 9th centuries and were part of a pattern of Slavic settlement as the name Würnitz suggests.